Berufliche Qualifikationen anerkennen: Wie Unternehmen von der Anerkennung beruflicher Erfahrungen profitieren können

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In einer Arbeitswelt, in der sich die Anforderungen ständig verändern und Fachkräfte immer gefragter werden, ist es für Unternehmen und Personalentwickler entscheidend, das gesamte Potenzial ihrer Mitarbeitenden zu erkennen und zu fördern. Besonders Mitarbeitende mit langjähriger Berufserfahrung, die jedoch keine formalen Abschlüsse vorweisen, können von der Anerkennung ihrer beruflichen Qualifikationen profitieren. Diese Anerkennung ermöglicht es ihnen, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten offiziell zu dokumentieren, was nicht nur ihre Karrierechancen steigert, sondern auch dem Unternehmen zugutekommt. 

Was ist die Anerkennung beruflicher Qualifikationen in Deutschland?

Die Anerkennung von beruflichen Qualifikationen stellt sicher, dass Mitarbeitende ihre praktischen Fähigkeiten und Berufserfahrungen offiziell bestätigen lassen können. In Deutschland erfolgt dieser Prozess nach dem Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz (BQFG). Das Verfahren wird häufig für Personen genutzt, die ihre Qualifikationen im Ausland erworben haben oder keine formalen Bildungsabschlüsse besitzen, aber über fundierte praktische Kenntnisse verfügen. Die Anerkennung ihrer Qualifikationen sorgt dafür, dass diese Fähigkeiten auf dem Arbeitsmarkt sichtbar und wertgeschätzt werden.

Für Personalentwickler bedeutet dies eine Chance, die Karrierewege ihrer Mitarbeitenden zu fördern und gleichzeitig sicherzustellen, dass das Unternehmen von den Kompetenzen seiner Mitarbeitenden profitiert.

Zuständige Stellen für die Anerkennung von Qualifikationen

Die Anerkennung beruflicher Qualifikationen in Deutschland erfolgt durch verschiedene Institutionen, darunter die Industrie- und Handelskammern (IHK), Handwerkskammern und regionale Stellen, die speziell für die Prüfung und Dokumentation von Qualifikationen zuständig sind. Diese Institutionen bieten Beratungsdienste an und unterstützen Mitarbeitende dabei, ihre Qualifikationen anerkennen zu lassen. 

  1. IHK FOSA (Foreign Skills Approval)  

Die IHK FOSA ist eine zentrale Anlaufstelle für die Anerkennung ausländischer Qualifikationen. Sie prüft, ob ein im Ausland erworbener Berufsabschluss mit einem deutschen Abschluss gleichwertig ist. Diese Stelle bietet umfangreiche Informationen für Unternehmen und Mitarbeitende, die ihre ausländischen Qualifikationen anerkennen lassen möchten. Weitere Informationen finden Sie auf der Website: www.ihk-fosa.de 

  1. Handwerkskammern  

Für den Handwerkssektor sind die Handwerkskammern zuständig. Sie bieten eine Gleichwertigkeitsprüfung für handwerkliche Berufe an und helfen bei der Anerkennung von Qualifikationen aus dem Ausland oder von nicht formalisierten Ausbildungswegen. Weitere Informationen finden Sie auf den Websites der regionalen Handwerkskammern.

  1. Regionale Anerkennungsstellen  

Neben den Industrie- und Handelskammern (IHK) und Handwerkskammern gibt es in Deutschland auch regionale Stellen, die sich auf die Anerkennung von Qualifikationen in bestimmten Branchen oder Berufsgruppen spezialisiert haben. Diese Institutionen bieten maßgeschneiderte Beratungsdienste, die besonders auf die Bedürfnisse spezifischer Berufsbereiche abgestimmt sind. Sie unterstützen Mitarbeitende mit spezifischen Qualifikationen oder Arbeitsbereichen bei der Anerkennung ihrer Fähigkeiten, sodass ihre beruflichen Kompetenzen auch formal anerkannt und dokumentiert werden können.

Ein Beispiel für eine solche regionale Anerkennungsstelle ist die Landesstelle für die Anerkennung von ausländischen Berufsqualifikationen (LAB) in Nordrhein-Westfalen. Sie bietet speziell für Fachkräfte, die aus dem Ausland kommen und ihre Qualifikationen in einem nicht-regulierten Beruf anerkennen lassen möchten, gezielte Beratungsdienste an. Die LAB unterstützt durch einen strukturierten Prozess, bei dem die Qualifikationen überprüft und mit deutschen Standards verglichen werden.

Für den Bereich Gesundheitsberufe gibt es beispielsweise die Anerkennungsstelle für Gesundheitsberufe bei den Berufsgenossenschaften. Sie ist besonders auf die Anerkennung von Qualifikationen in medizinischen und pflegerischen Berufen spezialisiert. Pflegekräfte oder Ärzte, die im Ausland gearbeitet haben, können hier eine Beratung in Anspruch nehmen und erfahren, welche Nachqualifikationen sie eventuell erwerben müssen, um ihre Qualifikationen anerkennen zu lassen.

Ein weiteres Beispiel sind regionalisierte Beratungsdienste für den IT-Bereich, wie sie zum Beispiel von der Deutschen Gesellschaft für Informationstechnik (DGIT) oder regionalen IT-Verbänden angeboten werden. Diese Stellen bieten spezielle Beratungen und Weiterbildungsangebote, die auf die einzigartigen Anforderungen der IT-Branche und ihrer zahlreichen Spezialisten zugeschnitten sind. Mitarbeitende können hier genau erfahren, welche Zertifikate oder Fortbildungen notwendig sind, um ihre praktischen Fähigkeiten offiziell anzuerkennen.

Solche spezialisierten Stellen bieten nicht nur die Möglichkeit zur Anerkennung von Qualifikationen, sondern auch wertvolle Beratung zur Karriereentwicklung in den jeweiligen Sektoren. Die Mitarbeitenden erhalten auf diese Weise Unterstützung, die direkt auf ihre berufliche Situation zugeschnitten ist und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöht.

Die wichtigsten Schritte im Anerkennungsprozess

Der Prozess der Anerkennung beruflicher Qualifikationen besteht aus mehreren Schritten. Hier sind die wichtigsten:

  1. Prüfung der Qualifikationen  

Zunächst müssen die Mitarbeitenden ihre Qualifikationen und Erfahrungen zusammenstellen. Dies umfasst berufliche Zeugnisse, Arbeitsnachweise und andere Dokumente, die ihre Kenntnisse belegen.

  1. Antragstellung  

Die Mitarbeitenden müssen einen Antrag bei der zuständigen Anerkennungsstelle einreichen. Der Antrag umfasst eine detaillierte Beschreibung der beruflichen Qualifikationen und Erfahrungen.

  1. Gleichwertigkeitsprüfung  

Die zuständige Stelle prüft, ob die Qualifikationen den deutschen Standards entsprechen. Falls nötig, müssen die Mitarbeitenden Zusatzqualifikationen erwerben oder eine praktische Prüfung ablegen, um die Anerkennung zu erhalten.

  1. Anerkennungsbescheid  

Nach erfolgreicher Prüfung erhalten die Mitarbeitenden einen Anerkennungsbescheid, der ihre Qualifikationen offiziell bestätigt. Dieser Bescheid kann ihnen neue berufliche Perspektiven eröffnen und ihre Karrierechancen steigern.

Tipps für Unternehmen und die Personalentwicklung

Die Anerkennung beruflicher Qualifikationen ist für Unternehmen eine wichtige Möglichkeit, die Potenziale ihrer Mitarbeitenden zu entfalten. Hier sind einige praktische Tipps, wie Unternehmen den Prozess effektiv nutzen können:

  1. Frühzeitige Information und Aufklärung der Mitarbeitenden  

Personalentwickler sollten ihre Mitarbeitenden frühzeitig über die Möglichkeit informieren, ihre beruflichen Qualifikationen anerkennen zu lassen. Gerade Mitarbeitende, die langjährige Berufserfahrung haben, aber keinen formalen Abschluss, wissen oft nicht, dass sie ihre Qualifikationen offiziell anerkennen lassen können. Eine proaktive Kommunikation und Information über die Anerkennungsverfahren ist daher entscheidend.

  1. Zusammenarbeit mit anerkannten Stellen  

Die enge Zusammenarbeit mit anerkannten Stellen wie der IHK oder den Handwerkskammern ist wichtig, um den Anerkennungsprozess effizient zu gestalten. Diese Institutionen bieten nicht nur die Prüfung der Qualifikationen an, sondern beraten auch zu den nächsten Schritten und helfen dabei, den Antrag erfolgreich zu stellen. Diese Zusammenarbeit sorgt für einen reibungslosen Ablauf des Verfahrens.

  1. Fördermöglichkeiten nutzen  

Es gibt verschiedene Förderprogramme, die Unternehmen und Mitarbeitenden helfen können, den Anerkennungsprozess finanziell zu unterstützen. Besonders für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und Mitarbeitende mit geringen finanziellen Mitteln sind diese Programme von großer Bedeutung. 

Einige wichtige Programme sind:

  • Anerkennungszuschuss  

Mitarbeitende, die ihre ausländischen Qualifikationen anerkennen lassen wollen, können einen Anerkennungszuschuss erhalten. Dieser Zuschuss wird in vielen Bundesländern gewährt und deckt teilweise die Kosten für die Anerkennung.

  • Bildungsprämie  

Die Bildungsprämie ist ein staatliches Förderprogramm, das bis zu 500 Euro für die berufliche Weiterbildung von Fachkräften zur Verfügung stellt. Dieses Programm kann auch zur Finanzierung von Nachqualifikationen genutzt werden, die für die Anerkennung von Qualifikationen erforderlich sind.

  • Qualifizierungsschecks  

In einigen Bundesländern gibt es spezielle Qualifizierungsschecks, mit denen Unternehmen ihre Mitarbeitenden bei der Qualifizierung und Anerkennung unterstützen können. Diese Schecks helfen, die Kosten für Weiterbildungsmaßnahmen zu decken und so den Anerkennungsprozess zu fördern.

Weitere Informationen zu den Fördermöglichkeiten finden Sie auch auf den Websites der jeweiligen Landesministerien für Arbeit und Wirtschaft.

  1. Flexibilität bei der Weiterbildung  

Für viele Mitarbeitende ist die Anerkennung ihrer Qualifikationen nur der erste Schritt auf dem Weg zu einer vollständigen Anerkennung ihrer Fähigkeiten. Oft sind zusätzliche Weiterbildungen oder Nachqualifikationen erforderlich. Personalentwickler sollten daher flexible Weiterbildungsangebote schaffen, die es den Mitarbeitenden ermöglichen, diese zusätzlichen Qualifikationen zu erwerben, ohne dass sie ihre berufliche Tätigkeit unterbrechen müssen.

  1. Wissensaustausch und Mentoring fördern  

Ein effektiver Weg, die Qualität der anerkannten Qualifikationen in der Praxis zu nutzen, ist der Wissensaustausch zwischen erfahrenen Mitarbeitenden und jüngeren Kolleginnen und Kollegen. Dies fördert den intergenerationellen Austausch und stärkt das Teamgefühl. Unternehmen sollten Mentoring-Programme etablieren, in denen erfahrene Mitarbeitende ihre Kenntnisse weitergeben und jüngere Mitarbeitende von ihren Erfahrungen profitieren können.

Die Anerkennung beruflicher Qualifikationen ist für Unternehmen und Mitarbeitende eine wertvolle Möglichkeit, berufliche Erfahrungen und Fähigkeiten offiziell zu bestätigen. Sie ermöglicht es, neue berufliche Perspektiven zu eröffnen und das Potenzial der Mitarbeitenden voll auszuschöpfen. Personalentwickler sollten ihre Mitarbeitenden über die Verfahren und Fördermöglichkeiten informieren und sie auf dem Weg der Anerkennung unterstützen. Durch die enge Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen und die Nutzung von Förderprogrammen können Unternehmen den Anerkennungsprozess erfolgreich gestalten und ihren Mitarbeitenden helfen, ihre Karriereziele zu erreichen.

Marina-Schemmert - Digiformag Auteur

Marina Schemmert

Marina Schemmert verknüpft ihre langjährige Managementerfahrung in der Wirtschaft und Medienbranche mit fundiertem Praxis Knowhow und einem breiten und tiefen theoretischen Wissensschatz. Als Geschäftsführerin befasst sich die Autorin täglich mit Themen rund um die Bereiche Organisationsentwicklung, Digitalisierung, Transformation und Unternehmenskultur und berät dabei sowohl Gründer wie auch KMUs und Konzerne in allen unternehmerischen Fragestellungen. An theoretischem Fundament bringt Marina Schemmert u. a. ein erfolgreich abgeschlossenes Master Studium im Bereich Personal und Organisation (Master of Arts) mit. Die erfahrene Managerin ist Fachautorin für verschiedene Lehr- und Lernmittel sowie Publikationen. Ihr obliegen außerdem verschiedene Dozenturen und Lehraufträge im Bereich der Erwachsenenbildung und sie ist aktives Mitglied in diversen Prüfungsausschüssen der Industrie- und Handelskammern.

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