Vom 10. bis 12. April 2026 finden die Europäischen Tage des Kunsthandwerks – kurz ETAK – in 25 europäischen Ländern statt. Offene Werkstätten, Ausbildungszentren, Manufakturen und Bildungseinrichtungen heißen die Öffentlichkeit willkommen, um außergewöhnliches Know-how zu entdecken.
Eine Veranstaltung, die Grenzen überschritten hat
In Deutschland werden die ETAK seit 2014 von den regionalen Handwerkskammern in den Bundesländern organisiert und von der Handwerkskammer Berlin in Kooperation mit dem Zentralverband des Handwerks (ZDH) zentral gesteuert und koordiniert. Im letzten Jahr wurden mehr als 2 600 Veranstaltungen in 14 Bundesländern organisiert.
Sie mobilisieren zudem ein besonders reichhaltiges Partnernetzwerk: Akteure der Berufsorientierung, europäische Netzwerke wie die European Crafts Alliance oder Mobilitätsprogramme wie Erasmus+.
Diese europäische Dimension verdeutlicht:
- den Austausch von Kompetenzen auf europäischer Ebene,
- die Komplementarität von Ausbildungsangeboten und Fachkenntnissen,
- sowie die Rolle transnationaler Netzwerke bei der Strukturierung der Branchen.
Ein zentraler Punkt für die Ausbildungsträger: Kompetenzen auf europäischer Ebene zu betrachten und nicht mehr nur auf lokaler.
Eine Brücke zwischen Ausbildung, Berufsberatung und Beschäftigungsfähigkeit
Die ETAK sind zudem ein hervorragender Hebel für die Attraktivität der Berufsbranchen. Sie ermöglichen es Jugendlichen, Umschülern und Berufsberatern, Berufe zu entdecken, die oft wenig bekannt sind, aber Sinn und Chancen bieten.
Die Kunsthandwerksberufe zeigen, dass der Erwerb von Kompetenzen sowohl über Fachwissen als auch über soziale Kompetenz erfolgt: Präzision, Geduld, Kreativität, Anspruch und Sinn fürs Detail.
Für die Bildungseinrichtungen ist dies eine Aufforderung,
- immersive Ausbildungswege zu entwickeln,
- Partnerschaften mit Unternehmen und Regionen zu stärken,
- seltene und herausragende Kompetenzen zu fördern.
Weitergabe: von einer Frage des Kulturerbes zu einer Frage der Ausbildung
Historisch gesehen mit der Bewahrung von Know-how verbunden, wird die Weitergabe von Know-how heute zu einer strategischen Herausforderung für die Berufe von morgen.
Die ETAK rücken ins Rampenlicht:
- Fachleute, die ihre Werkstätten öffnen,
- Bildungseinrichtungen, die sich aktiv beteiligen,
- Initiativen wie „Maîtres d’art – Élèves“, die die Weitergabe seltener Fertigkeiten strukturieren.
Für Bildungseinrichtungen schafft dies die Grundlage für eine Pädagogik, die auf folgenden Elementen basiert:
- Beobachtung,
- Eintauchen in die Praxis,
- direkte Begegnung mit der professionellen Fertigkeit.
Was Bildungseinrichtungen daraus lernen können
Die ETAK 2026 bieten mehrere konkrete Erkenntnisse:
- „Handwerkliche“ Kompetenzen aufwerten
Obwohl sie oft schwer zu formalisieren sind, stehen sie doch im Mittelpunkt vieler Berufe, in denen Fachkräftemangel herrscht. - Auf Erfahrungslernen setzen
Offene Workshops, Vorführungen, Eintauchen: All dies sind Formate, die in die Ausbildungswege integriert werden sollten. - Im Ökosystem arbeiten
Unternehmen, Institutionen, europäische Netzwerke: Die Ausbildung wird zu einer Gemeinschaftsaufgabe. - Die Attraktivität der Berufe stärken
Sehen, begegnen, erleben – das bleibt der beste Hebel, um Berufungen zu wecken.
In einer Zeit, in der viele Branchen darum bemüht sind, Talente anzuziehen und zu binden, bieten die Kunsthandwerksberufe eine konkrete Antwort:
- Kompetenzen sichtbar machen
- Ausbildungswege verkörpern
- Ausbildung und Praxis wieder miteinander verbinden.
Die ETAK zeigen, dass der Kompetenzaufbau nicht mehr nur im Schulungsraum stattfindet, sondern in offenen, hybriden und kollaborativen Ökosystemen.

