Social Learning: Wie kann generationsübergreifendes, kollaboratives Lernen gefördert werden?

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Solche Situationen können Sie jeden Tag in Ihren Unterrichtsräumen beobachten: Eine 22-jährige Auszubildende erklärt einem 55-jährigen Manager TikTok, während er ihr Verhandlungstricks beibringt. Diese Szene ist alles andere als anekdotisch, denn sie veranschaulicht, wie eine stille Revolution die Welt der Berufsbildung grundlegend verändert.

Die Zahlen sprechen für sich: Laut einer Studie, die das Institut Consumer, Science & Analytics (CSA) für LinkedIn durchgeführt hat, sind 90 % der jungen Berufstätigen der Meinung, dass ältere Menschen ihnen entscheidende Fähigkeiten vermitteln können. Dahingegen erkennen 70 % der älteren Menschen an, dass jüngere Menschen ihnen neue Arbeitsweisen vermitteln können. Noch bemerkenswerter: Unternehmen, die auf Generationenvielfalt setzen, erzielen eine Produktivitätssteigerung von 22 % und verringern die Fluktuationsrate um 19 %.

Da in vielen Unternehmen mittlerweile vier bis fünf Mitarbeitergenerationen zusammenarbeiten, besteht die Herausforderung nicht mehr nur in der Ausbildung, vielmehr müssen die Voraussetzungen für gegenseitiges Lernen geschaffen werden, bei dem alle abwechselnd die Rollen von Lehrern und Schülern übernehmen. Kann die Digitalisierung, die oft als Faktor für die Spaltung der Generationen gesehen wird, zum Bindeglied einer Zusammenarbeit werden?

Wenn Generationen sich begegnen: ein inspirierendes Umfeld für die Wissensvermittlung

Albert Bandura hätte sich in den 1960er Jahren wohl kaum träumen lassen, dass seine Theorie des sozialen Lernens in so vielfältigen Bereichen Anwendung finden würde, etwa an heutigen Mehrgenerationen-Arbeitsplätzen. Dennoch wirken seine Studien über Beobachtung, Nachahmung und soziale Interaktion als treibende Kräfte des Lernens heute außergewöhnlich eindrucksvoll nach.

Die Bobo-Doll-Studie, die zeigte, dass Lernen durch Nachahmung erfolgt, erhält eine neue Dimension, wenn man beobachtet, wie ein Babyboomer die Codes der Telearbeit übernimmt, indem er seinem Millennial-Kollegen bei der Arbeit zusieht. Oder wenn derselbe Millennial verinnerlicht, auf welche Feinheiten es in den Kundenbeziehungen ankommt, wenn er die geschickte Telefonkommunikation seines älteren Kollegen mitverfolgt.

Diese Dynamik basiert auf dem bekannten 70-20-10-Modell, das in den 1990er Jahren vom Center for Creative Leadership entwickelt wurde: 70 % unseres Lernprozesses entstehen durch unmittelbare Erfahrungen, 20 % durch den Austausch mit anderen und lediglich 10 % durch formelle Bildung. Mit anderen Worten: Vieles, was wir wirklich lernen, ergibt sich aus spontanen Interaktionen mit Kollegen sowie aus der Teilnahme an Lerngemeinschaften.

Und durch generationsübergreifendes Lernen werden diese Effekte vervielfacht. Wo eine klassische Ausbildung lediglich vertikales Wissen vermittelt, ermöglicht der Austausch zwischen den Generationen ein vernetztes, umfangreiches und nachhaltiges Lernen. Ältere Menschen bringen den nötigen Abstand, eine strategische Vision sowie die Fähigkeit zur Kontextualisierung mit – dies kann nur durch langjährige Erfahrung erreicht werden Junge Menschen bringen frischen Wind, kreative Ideen, digitale Fähigkeiten. Und oft haben sie den Mut, konventionelle Denkweisen zu hinterfragen.

Das Ergebnis? 85 % der Mitarbeiter sind der Meinung, dass generationsübergreifende Arbeitsbeziehungen den Zusammenhalt des Teams fördern, und sie irren sich nicht. Denn so entsteht eine Lernumgebung, in der jeder vom Know-how des anderen profitiert und so seine eigenen Fähigkeiten erweitert.

Schlüssel für ein erfolgreiches generationsübergreifendes Social Learning

Aber Vorsicht: Eine Kultur des generationenübergreifenden Lernens am Arbeitsplatz lässt sich nicht verordnen. Sie muss kultiviert, organisiert und strukturiert werden. Der erste Hebel, den es zu betätigen gilt, ist das „Cross Mentoring“, ein Ansatz, der die traditionelle Beziehung zwischen Wissensvermittlern und Lernenden aufbricht.

Vorbei sind die Zeiten, in denen der Senior in einer Einbahnstraße Wissen an den Junior vermittelt. Jetzt kommt die Zeit des umgekehrten Mentoring, bei dem jede Person einmal die Rolle des Mentors und ein anderes Mal die Rolle des Mentees übernimmt. Konkret bedeutet dies Folgendes: Ein erfahrener Vertriebsmitarbeiter schult eine junge Kollegin in Techniken zum Verkaufsabschluss, während sie ihm die Kunst des Social Selling auf LinkedIn beibringt. Diese Gegenseitigkeit löst starre Hierarchien auf und fördert einen dynamischen, offenen Austausch.

Das Geheimnis: Gut durchdachtes Matching. Bringen Sie Personen zusammen und orientieren Sie sich hierbei nicht nur am Alter, sondern auch an Lernstilen, Interessen und beruflichen Zielen. Eine 45-jährige Führungskraft, die sich für neue Technologien begeistert, wird in der Zusammenarbeit mit einem jungen Technikfan mehr erreichen können als mit einem älteren Kollegen, der der Digitalisierung ablehnend gegenübersteht.

Kollaborative Workshops bilden die zweite Säule dieser Strategie. Stellen Sie sich multidisziplinäre Teams vor, die an innovativen Herausforderungen oder Projekten zur Problemlösung arbeiten. Die Erfahrung zeigt, dass der Mix verschiedener Generationen die Kreativität beflügelt: Die Älteren bringen ihre besonnene Perspektive ein, um den Schwung der Jüngeren zu erden, während die Jüngeren die ausgereifteren Ideen der Älteren mit Schwung und Zuversicht bereichern.

Dieses gegenseitige Lernen entfaltet sein volles Potenzial, wenn es auf gegenseitiger Anerkennung beruht. Organisieren Sie Sitzungen, in denen jede Generation ihre spezifischen Fähigkeiten einbringt: die einen stellen neue digitale Tools vor, die anderen erläutern bewährte Praktiken und strategische Visionen. Dabei soll nicht alles auf den kleinsten Nenner gebracht werden, es geht vielmehr darum, ein Fundament zu schaffen, auf dem sich individuelle Expertise entwickeln kann.

Ein Stolperstein, der vermieden werden sollte: Bevorzugung der Jugend einerseits und Altersdiskriminierung andererseits. Die Wirksamkeit dieses Ansatzes hängt von gegenseitigem Respekt und dem Bewusstsein ab, dass jede Generation ihren eigenen, unverwechselbaren Beitrag leistet. 77 % der Unternehmen haben eine Kompetenzsteigerung durch generationsübergreifendes Mentoring beobachtet – sie setzen alle konsequent auf eine Philosophie des gleichberechtigten Austauschs.

Digitale Medien erleichtern den Austausch

Paradoxerweise erweist sich die Digitalisierung – die oft als Faktor für die Kluft zwischen den Generationen angeführt wird – als einer der besten Verbündeten für generationsübergreifendes Social Learning. Dies setzt allerdings voraus, dass man sie intelligent und mit Feingefühl einsetzt.

Moderne kollaborative Plattformen bieten eine Palette von Tools, die auf die Bedürfnisse jeder Generation zugeschnitten sind. Die LMS der nächsten Generation bieten Diskussionsforen, Instant Chats, gemeinsame Arbeitsräume für Projekte und umfassende Medienbibliotheken. Durch diese Vielfalt kann jeder seine bevorzugte Kommunikationsmethode entdecken: Digital Natives ziehen instinktiv synchrone und interaktive Tools vor, wohingegen ältere Generationen häufig strukturierte Ressourcen und einen zeitversetzten Austausch zu schätzen wissen.

Die Kunst besteht darin, diese Vielfalt zu einem Ganzen zu verbinden, anstatt sie zu glätten. Bieten Sie kurze, dynamische Videotutorials an, mit denen Sie die Aufmerksamkeit der Millennials gewinnen, und gewinnen Sie gleichzeitig das Vertrauen der Babyboomer mit detaillierten methodischen Anleitungen. Nutzen Sie Videokonferenzen für den Austausch in Echtzeit, aber vergessen Sie nicht die Bereiche, in denen schriftliche Kommunikation für diejenigen stattfinden kann, die sich lieber Zeit zum Nachdenken nehmen.

Dieser multimodale Ansatz ist vielversprechend. Als Beispiel dient eine Beratungsfirma, die ein soziales Unternehmensnetzwerk eingerichtet hat, in dem alle ihre Erkenntnisse mitteilen, Fragen stellen und ihre Hilfe anbieten können. Das Ergebnis: Die Jüngeren veröffentlichen dort Tutorials zu den neuesten digitalen Tools, die Älteren berichten über ihre Erfahrungen mit Kundenfeedback. So können alle dank der täglichen Interaktionen ihren Lernhorizont ganz natürlich erweitern.

Der Schlüssel zum Erfolg: persönliche Betreuung. Es ergibt keinen Sinn, eine kollaborative Plattform einzuführen, ohne vorher auf die speziellen Bedürfnisse der Nutzer einzugehen. Veranstalten Sie differenzierte Einführungen: Einstiegs-Workshops für alle, für die alles Digitale noch weitgehend Neuland ist und Intensiv-Sessions für fortgeschrittene Anwender. Durch diesen schrittweise erfolgenden Kompetenzaufbau wird Frust vermieden, und gleichzeitig steigt die Akzeptanz.

Auch das Smartphone nimmt in diesem Prozess eine Schlüsselrolle ein. Micro-Learning-Apps ermöglichen einen Wissenserwerb in kleinen Schritten – ein Format, das alle Generationen anspricht. Ein Vertriebsmitarbeiter kann sich während der Fahrt eine kurze Lerneinheit über Kundeneinwände anhören und den Inhalt selbst kommentieren, etwa über ein Audio-Testimonial, von dem andere profitieren.

Die Zukunft ist bereits da!

Generationsübergreifendes Social Learning ist kein aufkommender Trend mehr, sondern eine Realität, die der Berufsbildung neue Konturen verleiht. Unternehmen, die sich hierauf einlassen, werden mit greifbaren Vorteilen belohnt: verbesserte Produktivität der Beteiligten, höhere Zufriedenheit am Arbeitsplatz und vor allem eine kollektive Dynamik: alle haben Freude am gemeinsamen Lernen.

Dieser Ansatz erhält noch mehr Gewicht, da die Demografie des Personals einem schnellen Wandel unterliegt. Der Anteil der Gen Z und der Millennials in Unternehmen wächst stetig. Gleichzeitig arbeiten heutzutage ältere Menschen häufig länger als früher.
Hierdurch entstehen zahlreiche Möglichkeiten für den Austausch zwischen den Generationen.

Für Sie als Bildungsexperte besteht die Herausforderung jetzt darin, Ihre Rolle neu zu definieren und anzupassen: Sie treten weniger als allwissende Koryphäe, sondern verstärkt als Wissensmoderator auf. Worin besteht Ihre Aufgabe? Schaffen Sie die Voraussetzungen für bereichernde Begegnungen, fördern Sie den Austausch und sorgen Sie dafür, dass jede Stimme in diesem großen „Orchester des Lernens“ gehört wird.

Die Digitalisierung kann hilfreich sein – jedoch nur, wenn Sie sie als Vermittler und nicht als Selbstzweck betrachten. Ihre Kunden erwarten nicht, dass Sie alle Tools beherrschen, sondern dass Sie eine Umgebung schaffen, in der alle ihren Beitrag zum Erreichen des gemeinsamen Ziels leisten können.

Sind Sie bereit, Ihre nächsten Kurse in generationsübergreifende Lernlabore zu verwandeln? Ihre Kunden werden Ihnen dafür danken, dass Sie ihnen nicht nur Informationen, sondern eine bereichernde Erfahrung vermittelt haben, die einen bleibenden Einfluss auf ihren beruflichen Weg hat.

Laure-Piana - Digiformag Auteur

Laure Piana

Rédactrice RH et Consultante en Marketing de Contenus RH, je possède dix ans d’expériences professionnelles en tant que chargée de mission RH, puis consultante en transitions professionnelles. Ce parcours m’a permis d’aborder les thématiques liées à la GPEC, à la prospective RH et à l'ingénierie de formation et d’accompagner les entreprises et les actifs dans la gestion des parcours et des compétences. Aujourd’hui, j’accompagne les différents acteurs de l’écosystème emploi-formation à gagner en visibilité et à accompagner le changement, en produisant des contenus qui accompagnent le cycle de décision des professionnels et des actifs en transition.

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