Vom Kollegen zur lehrenden Person: Wie Unternehmen Mitarbeitende erfolgreich zu internen Referent:innen und Ausbilder:innen entwickeln

Inhalte

In vielen Unternehmen gewinnt die interne Wissensvermittlung zunehmend an Bedeutung. Neue Technologien, häufigere Systemupdates, veränderte Prozesse und ein steigender Bedarf an strukturiertem Onboarding führen dazu, dass Praxiswissen immer häufiger von Mitarbeitenden selbst vermittelt wird. Ob als fachliche Trainer:innen, Referent:innen oder interne Ausbilder:innen, immer öfter übernehmen Kolleg:innen Rollen, die traditionell externen Bildungsanbietern vorbehalten waren. Dieser Wandel macht Unternehmen flexibler und stärkt die Lernkultur, stellt aber auch besondere Anforderungen: Der Schritt von der fachlich kompetenten Fachkraft zur souveränen lehrenden Person ist anspruchsvoll und erfordert gezielte Vorbereitung.

 Warum interne Referent:innen ein strategischer Vorteil sind

Interne Lehrende vermitteln Wissen aus erster Hand. Sie kennen Prozesse, Systeme, Besonderheiten, reale Herausforderungen und die Kultur des Unternehmens. Dieser Vorteil sorgt oft dafür, dass interne Schulungen als praxisnäher und relevanter wahrgenommen werden als externe Standardtrainings. Gleichzeitig entlasten interne Referent:innen Personalentwicklung und Fachbereiche, ermöglichen schnellere Schulungszyklen und schaffen Kontinuität. Besonders im Onboarding, bei der Einführung digitaler Tools oder bei sicherheitsrelevanten Themen sind interne Lehrstrukturen für viele Unternehmen unverzichtbar geworden.

Damit diese Form des Wissenstransfers funktioniert, braucht es jedoch mehr als Fachkompetenz. Gute Trainer:innen besitzen die Fähigkeit, Inhalte verständlich aufzubereiten, Lernende zu motivieren und Lernprozesse aktiv zu begleiten. Diese Kompetenzen lassen sich entwickeln – aber sie entstehen nicht automatisch aus Fachwissen.

Wer eignet sich als interne lehrende Person?

Bei der Auswahl interner Referent:innen sollten Personalentwickler:innen mehrere Aspekte prüfen. Fachwissen ist die Basis, aber nicht das alleinige Kriterium. Gute interne Trainer:innen zeichnen sich durch kommunikative Stärke, Geduld, pädagogisches Grundverständnis und Freude am Erklären aus. Ebenso wichtig ist die Fähigkeit, Wissen strukturiert aufzubauen und auf den Punkt zu bringen. Menschen, die gern unterstützen, gut beobachten können und wertschätzend mit Kolleg:innen umgehen, bringen häufig beste Voraussetzungen mit.

Genauso relevant ist die persönliche Passung: Lehrende beeinflussen Lernende stark in ihrer Wahrnehmung von Arbeitskultur und Qualität. Wer Vorbildcharakter besitzt und Standards nicht nur vermittelt, sondern lebt, wirkt nachhaltig.

Interne Trainer:innen qualifizieren: So gelingt die Entwicklung

Der häufigste Fehler besteht darin, Mitarbeitende einfach „ins kalte Wasser zu werfen“. Ohne didaktische Grundqualifizierung entstehen oft unstrukturierte Trainings, die weder den Lernzielen noch den Erwartungen des Unternehmens entsprechen. Erfolgreiche Organisationen setzen daher auf gezielte Entwicklungsprogramme.

Ein solides Grundgerüst umfasst eine didaktische Basisausbildung, die Methodenlehre, Zielgruppenorientierung, Lernzieldefinition, Visualisierung und Feedbacktechniken vermittelt. Darauf aufbauend sollten Trainer:innen Methoden für Präsenz-, digitale und hybride Formate kennenlernen, denn moderne Weiterbildung findet selten ausschließlich in einem Setting statt. Ebenso wichtig ist ein Training in Kommunikation und Moderation, damit interne Trainer:innen sicher auftreten, Diskussionen steuern und Gruppen führen können.

Ein besonders wirksamer Baustein ist die Hospitation: Neue interne Trainer:innen begleiten erfahrene Kolleg:innen, beobachten reale Schulungssituationen und übernehmen im Anschluss einzelne Sequenzen. Eine Lehrprobe mit strukturiertem Feedback rundet den Qualifizierungsprozess ab.

Strukturen für nachhaltige interne Ausbildung aufbauen

Einzelpersonen auszubilden reicht nicht aus – entscheidend ist die Schaffung eines stabilen Systems. Unternehmen sollten ein klares Anforderungsprofil für interne Trainer:innen definieren, das Rolle, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten beschreibt. Ebenso wichtig sind standardisierte Trainingskonzepte, die Inhalte, Abläufe und Methoden klar strukturieren. Sie sorgen dafür, dass Trainings unabhängig von der durchführenden Person gleichbleibend hochwertig bleiben.

Regelmäßige Updates und Austauschformate stellen sicher, dass Trainer:innen fachlich und methodisch auf dem aktuellen Stand bleiben. Dies kann in Form kurzer Lernimpulse, moderierter Erfahrungstreffen oder jährlicher Refresh-Workshops erfolgen. Ein fest etabliertes Feedbacksystem – sowohl durch Teilnehmende als auch durch die Personalentwicklung – schafft Transparenz und ermöglicht kontinuierliche Verbesserung.

Chancen und Herausforderungen des Modells „Kolleg:innen schulen Kolleg:innen“

Der große Vorteil interner Trainer:innen liegt in ihrer Nähe zur Praxis. Lernende empfinden das Training als relevant und authentisch, weil die Lehrenden dieselben Herausforderungen kennen. Gleichzeitig entstehen besondere Dynamiken: Kolleg:innen, die sich aus dem Arbeitsalltag kennen, können Hemmungen beim Feedback haben oder Rollenkonflikte erleben. Unternehmen sollten deshalb klare Kommunikationsregeln definieren, Rollen deutlich beschreiben und neue Trainer:innen im Umgang mit Nähe und Distanz schulen. So lassen sich potenzielle Konflikte frühzeitig entschärfen.

Tipps für den erfolgreichen Rollenwechsel

Der Einstieg in die Rolle gelingt leichter, wenn neue Trainer:innen strukturiert begleitet werden. Erste Schulungen sollten mit vorbereiteten Materialien und klaren Lernzielen erfolgen. Mentoring durch erfahrene Trainer:innen hilft, Unsicherheiten abzubauen. Reflexionsinstrumente wie Lernjournale oder kurze Nachbesprechungen nach jedem Training stärken die Selbstwirksamkeit. Wichtig ist außerdem, dass neue Trainer:innen nicht zu schnell überfordert werden: Ein schrittweiser Einstieg mit kleinen Trainingseinheiten hat sich bewährt.

 Checkliste: Mitarbeitende erfolgreich zu internen Referent:innen entwickeln

1. Auswahl geeigneter Personen

  • fachlich kompetent
  • kommunikativ stark
  • empathisch und geduldig
  • bereit, Wissen zu teilen
  • geeignet als Vorbild
  • zuverlässig und strukturiert

2. Qualifizierung

  • didaktische Grundausbildung absolviert
  • Methodenkompetenz für Präsenz, Digital und Hybrid
  • Moderations- und Kommunikationsfähigkeiten trainiert
  • sichere Nutzung von Tools und Medien
  • Hospitationen durchlaufen
  • Lehrprobe erfolgreich abgeschlossen

3. Strukturelle Voraussetzungen

  • definiertes Trainerprofil im Unternehmen
  • standardisierte Trainingsunterlagen vorhanden
  • Austauschformate für Trainer:innen etabliert
  • regelmäßige Feedbackprozesse verankert
  • Qualitätsstandards klar dokumentiert

4. Nachhaltigkeit

  • jährliche Weiterqualifizierung geplant
  • Trainingsergebnisse dokumentiert
  • Lernfortschritte nachgewiesen
  • klare Ansprechpartner:innen für Unterstützung

Der Übergang von der Kollegin oder dem Kollegen zur internen lehrenden Person ist ein anspruchsvoller, aber äußerst wertvoller Schritt – für die betroffene Person, für Teams und für das gesamte Unternehmen. Mit einem strukturierten Auswahlverfahren, gezielter Qualifizierung und stabilen Rahmenbedingungen können Unternehmen ein professionelles internes Trainer:innensystem aufbauen, das Wissen im Unternehmen hält, Lernprozesse beschleunigt und die Kompetenzentwicklung langfristig stärkt.

Marina-Schemmert - Digiformag Auteur

Marina Schemmert

Marina Schemmert verknüpft ihre langjährige Managementerfahrung in der Wirtschaft und Medienbranche mit fundiertem Praxis Knowhow und einem breiten und tiefen theoretischen Wissensschatz. Als Geschäftsführerin befasst sich die Autorin täglich mit Themen rund um die Bereiche Organisationsentwicklung, Digitalisierung, Transformation und Unternehmenskultur und berät dabei sowohl Gründer wie auch KMUs und Konzerne in allen unternehmerischen Fragestellungen. An theoretischem Fundament bringt Marina Schemmert u. a. ein erfolgreich abgeschlossenes Master Studium im Bereich Personal und Organisation (Master of Arts) mit. Die erfahrene Managerin ist Fachautorin für verschiedene Lehr- und Lernmittel sowie Publikationen. Ihr obliegen außerdem verschiedene Dozenturen und Lehraufträge im Bereich der Erwachsenenbildung und sie ist aktives Mitglied in diversen Prüfungsausschüssen der Industrie- und Handelskammern.

Einen Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Empfohlen für Sie
Zum selben Thema
Logo digiforma
Die All-in-One Software für Bildungsträger
Verwalten Sie eine Trainingseinheit 4x schneller