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Checkliste: Qualitätskriterien für berufliche Weiterbildungen

Zusammenfassung

Qualitätsmerkmale

In einer globalisierten Welt, in der sich Technologien, Arbeitsweisen und Anforderungen ständig verändern, spielen Weiterbildungsangebote eine entscheidende Rolle. Sie dienen nicht nur der persönlichen Entwicklung und dem beruflichen Aufstieg, sondern tragen auch zur Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und zur gesamten Wirtschaftsstärke eines Landes bei. Im Zentrum dieser Dynamik steht die Qualität der Weiterbildungsangebote.

Die Qualitätssicherung von Weiterbildungsangeboten liegt dabei in erster Linie bei den Bildungsorganisationen und Bildungsträgern selbst. Durch Selbstevaluation oder der Arbeit mit anerkannten Qualitätssicherungssystemen. Um Fort- und Weiterbildungsangebote relevant, attraktiv und aktuell zu halten ist die Qualität Ihres Angebotes und damit einhergend die Qualifikationen des Lehrpersonals, die Zufriedenheit und Erfolge der bisherigen Teilnehmer, die (technische) Ausstattung oder die Möglichkeiten zur Vor- und Nachbereitung essentiell.

Besonderheit bei Fernlehrgängen

Insbesondere Fernlehrgänge stehen unter besonderem Schutz und unterliegen laut Fernunterrichtsschutzgesetz (FernUSG) in Deutschland der gesetzlichen Zulassungspflicht. Um eine Fort- oder Weiterbildung als Fernlehrgang anzubieten, benötigen Sie eine Zulassung von der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) in Köln, die die fachliche und pädagogische Qualifizierung beurteilt. Neben der Zulassungsstelle spielt auch das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) eine wichtige Rolle bei der inhaltlichen und didaktischen Überprüfung des berufsbildenden Fernlehrgangs.

Regelmäßige Überprüfung

Alle drei Jahre erfolgt hier eine erneute Überprüfung, insbesondere zur Einhaltung des Verbraucherschutzgesetzes. Damit wird sichergestellt, dass die Beschreibung und die Inhalte der Fort- oder Weiterbildung im Fernunterricht der aktuellen Zulassung entsprechen. Haben Sie seit der Zulassung gravierende Änderungen an Ihrem Fernunterrichtsangebot vorgenommen? Dann bedarf dies dem gesonderten Antrag “Wesentliche Änderungen”.

Allgemeine Checkliste: Qualität beruflicher Weiterbildung

Indem Weiterbildungsorganisationen ihr Angebot klar strukturieren, aktuelle und sachgerechte erwachsenenpädagogische Methoden anwenden und einen engen Praxisbezug bieten, stellen sie die Qualität ihrer Fort- und Weiterbildungen sicher. Zudem wird potenziellen Interessenten durch präzise Angaben die Wahl aus den zahlreichen Angeboten erleichtert. Denn nicht nur die Qualität selbst ist für den Erfolg von entscheidender Bedeutung, auch dass die Teilnehmer Ihrer Maßnahme sich vorab für das für sie passende Angebot entscheiden.

Zulassung und Sicherung von Förderungen

Fort- und Weiterbildungen, die durch die  Bundesagentur für Arbeit oder das Jobcenter bezuschusst werden, benötigen neben der allgemeinen AZAV Trägerzulassung eine eigenständige Maßnahmenzulassung. Diese wird durch eine von der DAkkS akkreditierten Fachkundigen Stellen (FKS) geprüft und durchgeführt. Um die Qualität dieser Bildungsangebote zu sichern, führt der Prüfdienst Arbeitsmarktdienstleistungen (AMDL) für die Bundesagentur für Arbeit zusätzlich regelmäßige Prüfungen remote oder vor Ort durch. Als Bildungsträger werden Sie hierbei 2 bis 4 Tage vor der Prüfung informiert.

Lernerorientierte Qualitätstestierung in der Weiterbildung (LQW)

Um die Qualität der Weiterbildungsangebote zu steigern und vergleichbar zu machen, wurde 2001 u. a. die Lernerorientierte Qualitätstestierung in der Weiterbildung, kurz LQW, entwickelt. Das Verbundprojekt aus dem Bereich der Weiterbildung für Weiterbildungsorganisationen wurde dabei sogar mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und des europäischen Sozialfonds gefördert. 

Im Fokus dieser Qualitätssicherung stehen die Lernenden oder genauer gesagt der Lernprozess. Mit einer externen Testierung ist dieses Qualitätssiegel für alle potenziellen Weiterbildungsteilnehmer erkennbar und steigert den Wert Ihres Angebotes.

Lernformen und Methoden

Da es regelmäßig neue wissenschaftliche Erkenntnisse darüber gibt, auf welche Art und Weise Menschen am besten lernen, ist es wichtig, Lernformen und Methoden kontinuierlich auf den Prüfstand zu stellen. Insbesondere seit die künstliche Intelligenz tagtäglich eine größere Rolle spielt und immer mehr Tools zur Nutzung entwickelt werden. Seien Sie dabei offen für neue Ansätze und holen Sie sich aktiv Feedback von ehemaligen Absolventen und aktuellen Teilnehmern ein.

Die häufigsten Lernformen und Methoden in der Praxis

Je nach Inhalt und Ziel der beruflichen Weiterbildung sollten auch die Lernformen und Methoden ausgewählt und aktualisiert werden. Neben dem selbstgesteuertem Lernen werden in der Praxis häufig Projektarbeiten, themenbezogene Vorträge, Praktika, E-Learnings und Exkursionen sowie abwechslungsreiche Rollen- bzw. Planspiele angewandt.

Praxisbezug

Durch einen engen Praxisbezug stellen Sie sicher, dass das erworbene Wissen nicht nur in der Theorie verstanden wird, sondern die Teilnehmer es auch praktisch anwenden können. Das erhöht nicht nur die Qualität Ihrer Fort- oder Weiterbildung, sondern spricht auch gleichzeitig deutlich mehr Interessenten mit unterschiedlichen Lerntypen an. Die Einbindung in Ihre Angebote kann in Form von praktischen Übungen innerhalb Ihrer Einrichtung, ganzen Praxisphasen oder Betriebspraktika stattfinden.

Qualifikationen des Lehrpersonals

Je nach Bildungsangebot, Fachrichtung und Bundesland gibt es unterschiedliche Bestimmungen, welche Qualifikationen das Lehrpersonal mitbringen muss. Achten Sie dabei auf die gesetzlichen Bestimmungen, welche fachlichen und pädagogischen Voraussetzungen Ihre Lehrkräfte haben müssen.  Regelmäßige Schulungen, Fort- und Weiterbildungen sowohl in fachlicher als auch in pädagogischer Hinsicht halten die Qualität Ihrer Bildungseinrichtung hoch, schließlich ist es das Personal, welches aktuelles Fachwissen an die Teilnehmer vermitteln soll. 

Gerade Lehrkräfte, die bereits vor vielen Jahren aus dem praktischen Berufsleben ausgetreten sind und sich ausschließlich auf die Lehrtätigkeit konzentrieren, sollten kontinuierlich über aktuelle Entwicklungen informiert bleiben. Nur so können Sie gewährleisten, dass die Teilnehmer aktuelles Wissen gelehrt bekommen. Setzen Sie daher neben hauptberuflichen Lehrkräften auch Personal ein, welches nebenbei in dem Fachbereich arbeitet, in dem er oder sie unterrichtet. Ihr Wissen und ihre tägliche  Erfahrung aus der Praxis können direkt in den Unterricht fließen.

Übersicht aller Lehrkräfte

Mit einer Übersicht über alle haupt- und nebenberuflich angestellten Lehrkräfte sowie deren Qualifikationen auf Ihrer Webseite schaffen Sie Vertrauen bei potenziellen Interessenten und setzen auch nach außen hin Qualitätsstandards.

Feedback von Teilnehmern und Absolventen

Eines der wertvollsten Tools, um Ihr Fort- und Weiterbildungsangebot kontinuierlich zu verbessern und somit die Qualität über die Jahre zu halten und ggfs. sogar zu steigern, ist das Feedback von aktuellen Teilnehmern und Absolventen Ihrer Maßnahmen. Über digitale Evaluierungs- oder Feedbackbögen ist die Annahme und die Auswertung der Erlebnisse und Erfahrungen der Teilnehmer einfach und schnell. Zudem können Sie diese Bewertungen auch zur Veröffentlichung auf Ihrer Homepage oder anderen Plattformen nutzen, um Ihre Bildungseinrichtung und -angebote attraktiver für interessierte Teilnehmer zu machen.

Inhaltliches Feedback zu den einzelnen Lehrkräften, den Methoden, dem Inhalt, der Struktur, den zur Verfügung gestellten Lernmitteln, der Lernumgebung usw., all das kann Ihnen wertvolle Hinweise darauf geben, an welchen Stellen Sie möglicherweise noch etwas optimieren können, um den Erfolg und die Zufriedenheit der Teilnehmer zu erhöhen. 

Transparenz der Angebote

Transparenz hilft den Interessenten dabei, das für sie richtige Weiterbildungsangebot zu wählen. Sie reduziert zudem die Quote der Abbrüche und hilft dabei, dass mehr Fort- und Weiterbildungen in Anspruch genommen werden. Klare Informationen über Kosten, Inhalte, Dauer und Ziele sind daher essentiell und gemäß des Verbraucherschutzgesetzes – speziell bei Fernlehrgängen – verpflichtend. Je detaillierter Weiterbildungsorganisationen ihr Angebot strukturieren und planen und dies auch nach außen kommunizieren, desto höher ist und wirkt die Qualität der Fort- oder Weiterbildung für Interessenten.

Evaluation und Qualitätsmanagement

Regelmäßige Evaluierung und Qualitätsmanagement sind notwendig, um kontinuierliche Verbesserungen zu ermöglichen. Eine gesetzliche Notwendigkeit besteht hierbei zwar nicht, jedoch ist die Qualität der Fort- und Weiterbildungsangebote sowie der Lehr- und Lernmethoden im Wettbewerb um Teilnehmer von entscheidender Bedeutung. Eine Zertifizierung Ihrer Bildungsorganisation z. B. nach der international anerkannten Norm DIN EN ISO 9001, trägt neben der Qualitätssicherung zudem zur Wettbewerbsfähigkeit bei.

Bedeutung qualitativer Bildungsangebote

Die in diesem Artikel vorgestellte Checkliste: Qualität beruflicher Weiterbildung vermittelt einen umfassenden Einblick in die verschiedenen Aspekte, die für Weiterbildungsorganisationen in Deutschland von Bedeutung sind. Von der Zulassung neuer Weiterbildungsangebote für Förderungen über die Qualifikation des Personals bis hin zum Qualitätsmanagement.

Sie sollten die Qualitätssicherung insbesondere als eine Investition in den Erfolg Ihrer Bildungseinrichtung sehen. Letztendlich geht es nicht nur darum, Mindeststandards zu erfüllen, sondern eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung und Innovation in der Weiterbildung zu fördern. Die Anforderungen, die in der Checkliste Qualität beruflicher Weiterbildung dargelegt sind, können Sie daher auch als Möglichkeiten sehen, die Qualität, Relevanz und Attraktivität Ihrer Fort- und Weiterbildungsangebote ständig zu erhöhen.

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